7. Morphische Felder
7.1 Rupert Sheldrake
Eine gefährliche Irrlehre, dieses ärgerliche Traktat ist ein Spitzenkandidat für eine Bücherverbrennung
–
so urteilte das einflussreiche Wissenschaftsblatt 'Nature' über Rupert
SHELDRAKES Werk Das schöpferische Universum, so der deutsche Titel des
1981 erschienenen Buchs. Seither tobt in der Gelehrtenwelt ein heftiger Streit
über den Ursprung der Formenvielfalt in der Natur, über die evolutionären
Wirkzusammenhänge und über die Seriosität wissenschaftlicher
Forschung insgesamt.
In der Tat rüttelte SHELDRAKES Hypothese – dass die Formen in der Natur weder allein durch die Gene, noch im darwinschen "Kampf ums Dasein", sondern durch ein "morphogenetisches", formverursachendes Feld entstehen – an den Grundfesten naturwissenschaftlicher Glaubenssätze. Die wüste Drohung einer Bücherverbrennung zeigt, dass hier ein wunder Punkt in der fundamentalen Weltanschauung des wissenschaftlichen Establishments berührt war. Das etwas moderner eingestellte Fachblatt 'Scientist' schrieb denn auch: Wenn Sheldrake recht hat, dann hat die westliche Wissenschaft die Welt ganz übel fehlgedeutet – und alles, was in ihr lebt, dazu. 31)
Das Herausfordernde an SHELDRAKES neuer Theorie war, dass er
nicht einfach spekulierte, sondern seine Behauptungen anhand objektiver, wiederholbarer
Experimente aufstellte und die Ergebnisse einiger erster Versuche gleich vorlegte.
In der Folgezeit fanden, gefördert durch Preisgelder von Universitäten
und Institutionen, weitere Experimente zur Überprüfung der Hypothese
statt. Die Ergebnisse waren positiv. 1988 ging der Streit um die morphogenetischen
Felder in eine weitere Runde. In England erschien ein neues Buch von SHELDRAKE
(Das Gedächtnis der Natur) in dem der Autor seine Hypothese in ihren historischen
und philosophischen Gesamtzusammenhang stellt und verdeutlicht, dass sie auf
ein vollkommen neues, durch und durch evolutionäres Verständnis der
Welt hinausläuft: Nicht ewige, unverrückbare Naturgesetze regieren
das Universum und das Leben, sondern ein sich durch die Gegenwart ständig
veränderndes, evolutionierendes Gedächtnis der Vergangenheit.
Dieses Buch erforscht die Möglichkeit, daß die Natur ein Gedächtnis besitzt. Es vertritt die Ansicht, daß natürliche Systeme wie Termitenkolonien, Tauben, Orchideen und Insulinmoleküle von allen früheren Exemplaren ihrer Art, wann und wo auch immer diese existiert haben mögen, eine kollektive Erinnerung übernehmen. Diese kollektive Erinnerung ist von kumulativem Charakter, wird also durch Wiederholung immer weiter ausgeprägt, so daß wir sagen können, die Natur oder Eigenart der Dinge sei Ergebnis eines Habitualisierungsprozesses, also Gewohnheit: Die Dinge sind so, wie sie sind, weil sie so waren, wie sie waren. Gewohnheiten könnten in der Natur aller lebenden Organismen, in der Natur der Kristalle, Moleküle und Atome, ja des ganzen Kosmos liegen. (...) Diese Möglichkeiten sind im Rahmen einer wissenschaftlichen Hypothese denkbar, die ich 'Hypothese der Formbildungsursachen' nenne. Nach dieser Hypothese hängen Gestalt und Art der Dinge von Feldern ab, die ich 'morphische Felder' nenne. Jedes natürliche System besitzt ein eigenes spezifisches Feld und so sprechen wir von einem Insulinfeld, einem Buchenfeld, einem Schwalbenfeld und so weiter. Alle Atome, Moleküle, Organismen, Gesellschaften, Konventionen und mentalen Gewohnheiten werden von solchen Feldern geformt. Morphische Felder sind, wie die bekannten Felder der
Physik, nicht-materielle Kraftzonen, die sich im Raum ausbreiten und in
der Zeit andauern. (...) Wenn solch ein organisiertes System aufhört
zu existieren – etwa wenn ein Atom sich spaltet, eine Schneeflocke
schmilzt, ein Tier stirbt – so verschwindet das organisierende Feld
von dem Ort, an dem das System sich befand. In einem anderen Sinne jedoch
verschwinden morphische Felder nicht: Sie sind potentielle Organisationsmuster
und können sich zu einer anderen Zeit und an einem anderen Ort wieder
konkretisieren, wenn die entsprechenden physikalischen Bedingungen gegeben
sind. Den Prozeß, durch den Vergangenheit innerhalb eines morphischen
Felds zur Gegenwart wird, nenne ich 'morphische Resonanz'. |
SHELDRAKES Theorie geht davon aus, dass die gesamte Natur einschließlich
des Kosmos ein selbstorganisiertes System ist, dessen Baupläne nicht für
alle Ewigkeiten fixiert sind, sondern sich mit den von ihnen organisierten Systemen
entwickeln. Die biologische Information wird dabei nicht durch die Gene vererbt,
sondern durch die "morphische Resonanz", mit der sich der Organismus
auf das Muster des morphischen Feldes seiner Spezies "einschwingt".
SHELDRAKE
vergleicht die Situation mit einem Fernsehapparat: Die Bilder auf dem Schirm
entstehen im TV-Studio und werden durch ein elektromagnetisches Feld übertragen.
Um das Bild erzeugen zu können, muss der Apparat mit den richtigen, verdrahteten
Komponenten ausgestattet, mit elektrischer Energie versorgt und auf die Sender-Frequenz
eingestellt sein. Veränderungen an der Ausstattung, etwa ein fehlerhafter
Transistor, stören das Bild auf dem Schirm oder lassen es verschwinden
- doch niemand käme auf die Idee, dass die Bilder aus den Transistoren
und den anderen Komponenten bestehen und dem TV -Apparat einprogrammiert sind.
Die herkömmliche Biologie aber tut genau dies: Sie wertet die Tatsache,
dass Veränderungen an den genetischen Komponenten Form und Verhalten eines
Organismus beeinflussen können, als Beweis dafür, dass Form und Verhalten
in den Genen kodiert oder genetisch programmiert seien.
Die Natur hat also nicht nur ein Gedächtnis, dieses Gedächtnis existiert auch außerhalb der materiellen Körper und überbrückt Zeit und Raum. Es wundert nicht, dass diese große, universale Hypothese auf den Widerspruch der etablierten Wissenschaft gestoßen ist. Doch SHELDRAKES Theorie kann einige Phänomene erklären, vor denen der empirische Rationalismus schlichtweg ratlos steht. Für Chemiker beispielsweise ist es sehr schwierig, eine neue Kristallart herzustellen, oft müssen die Zutaten monatelang reagieren, bis sie kristallisieren - ist es aber einmal irgendwo auf der Welt gelungen, ein solches neues Kristall herzustellen, geht es fortan überall viel schneller vonstatten.
Erklärt wurde diese mysteriöse Fernwirkung bisher mit der wahrhaft haarsträubenden These, dass sich winzige Partikel in den Barthaaren reisender Chemiker festgesetzt und die anderen Experimente infiziert hätten. SHELDRAKES Lösungsvorschlag: Das neue Kristall hat ein morphisches Feld aufgebaut, das als Sender wirkt.
SHELDRAKES Theorie wird nicht nur durch seine Experimente gestützt, sondern auch durch neuere Erkenntnisse anderer Wissenschaftszweige: So findet die merkwürdige Fernwirkung der morphischen Resonanz eine Entsprechung in den Ergebnissen der Quantenphysik, die in der Welt der kleinsten Teilchen eine unerklärliche Resonanz Informationsübertragung ohne Energie - festgestellt hat. Und dass, wie SHELDRAKE behauptet, das Gedächtnis der Natur nicht nur innerhalb, sondern auch außerhalb der Organismen, in einem biologischen Kraftfeld, lokalisiert ist, entspricht dem Ergebnis der Gehirn-Forschung, die bei ihren Versuchen, Erinnerung und Gedächtnis zu lokalisieren, zu dem paradoxen Schluss kam:
Das Gedächtnis ist überall, aber nirgendwo im besonderen.
Dass eine solche Nicht-Örtlichkeit für ein mechanistisches
Weltbild untragbar ist, liegt auf der Hand – entsprechend stieß
SHELDRAKES These, welche die für den Mechanikerverstand unangenehmen Ergebnisse
der Quantenphysik und der NeuroWissenschaft von einer ganz anderen Seite bestätigte,
auf harsche Ablehnung.
7.2 Morphische Felder im Außen und Innen
Wenn Du selbst einmal ausprobieren möchtest, ob Du auf das morphogenetische Feld Zugriff nehmen kannst, dann wähle doch einmal einen Menschen aus, von dem Du schon länger nichts mehr gehört hast. Kein zu weit entfernter Mensch, so dass es nicht allzu unwahrscheinlich ist, dass er sich von sich aus einmal melden könnte (also zu Anfang nicht gleich den im Streit ausgewanderten Cousin in Australien, sondern vielleicht eine gute Freundin, die sich ein paar Wochen nicht mehr gemeldet hat) und denke einmal konzentriert an diesen Menschen. Stelle Dir ihn vor Deinem inneren Auge bildlich vor und sage ihm in Gedanken Melde Dich bei mir! Sei nicht zu hektisch damit. Wiederhole die Übung in regelmäßigen Abständen (vielleicht 3 mal am Tag) und warte ab, was geschieht. Wenn sich dieser Mensch meldet, dann frage ihn, was ihn
dazu bewegt hat und wann genau er auf die Idee gekommen ist, Dich anzurufen.
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Eine Mutter spürt aus über 1000 km Entfernung, dass es ihrem Kind schlecht geht.
Ein Hund spürt, dass sein Herrchen nach Hause kommt und reagiert auffällig, obwohl dieser normalerweise nicht um diese Zeit heimkehrt und noch einige Kilometer entfernt ist.
Anfang Februar 1975 erwachten Schlangen nahe der nordostchinesische Stadt Haicheng vorzeitig aus dem Winterschlaf, um einem Beben zu entfliehen, das die Stadt wenige Tage später in Trümmer legte. Damals hatten Seismologen das Verhalten der Tiere richtig gedeutet, entsprechende Messungen vorgenommen und die Stadt rechtzeitig räumen lassen.
Anders im Mai 2008: Kröten warnten vor dem verheerenden Erdbeben in Südwestchina und waren zu Hunderttausenden aus der Erde gekrochen und durch die Stadt Mianyang gehüpft. Warum die Krötenwanderung in Mianyang nicht als Warnung wahrgenommen wurde, ist unklar. Womöglich wurde den zuständigen Behörden das auffällige Verhalten der Tiere einfach nicht gemeldet.
Wir leben in einer Zeit eines Paradigmenwechsels (vgl. Kapitel 3). Dies führt dazu, dass über lange Dekaden unterschiedliche und einander zum Teil ausschließende Weltbilder, Thesen und Theorien im Konkurrenzkampf miteinander stehen. Zu den Opfern dieses längeren Prozesses zählen u. a. die vielen Tausend Toten, die 2008 in Mianyang umkamen. Schwer tut sich der Intellekt des Menschen damit, Dinge anzuerkennen, die er nicht begreift und so grassieren zahlreiche Theorien darüber, was denn genau die Tiere beim Nahen einer Naturkatastrophe bewegt, die Flucht zu ergreifen.
Es gilt als "letztlich noch nicht geklärt" was Vögel, Pferde, Elefanten und Fische veranlasst, vor einem starken Erdbeben verrückt zu spielen. Es gibt Thesen, die besagen, dass durch den starken Druck und die Reibung im Gestein elektrische Ströme entstehen, die wiederum das in feinen Gesteinsrissen vorhandene Wasser zersetzen. Die dabei entstehenden positiv geladenen Teilchen würden von den Tieren als Aerosole über die Atemluft aufgenommen und verursachten bei ihnen die Ausschüttung des Angst auslösenden Nervenbotenstoffs Serotonin. Elefanten sollen ferner den Infraschall und somit tiefste Schwingungen eines Seebebens über große Entfernungen spüren können. Andere Tiere wie Schlangen und einige Käferarten besäßen dagegen Infrarotsensoren und registrierten damit bereits minimale Temperaturänderungen, wenn in Erdbebenzonen um Vulkane aufsteigende Lava den Erdboden erwärmt. Und viele Vögel bemerkten Schwankungen des Erdmagnetfelds, wie sie auch mit Erdbeben einhergehen. Und weil zahlreiche Vögel im Gegensatz zum Menschen auch im ultravioletten Bereich sehen, könnten sie womöglich Gase wahrnehmen, die vor einem Erdbeben aus dem Boden entweichen.
Diese Thesen erinnern ungewollt an Theorien des aufkommenden Industriezeitalters als im 19. Jahrhundert bislang unbekannte Reisegeschwindigkeiten mit der Eisenbahn erreicht werden konnte und man fürchtete, dass einem der Kopf vom Druck platzen könnte, wenn ein Zug mit der Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometern in einen Tunnel einführe.
Für synergetische Innenweltreisen ist es letztlich nicht relevant, ob es Erdmagnetfelder, morphische Felder oder sonstige Felder sind, die Mutterinstinkte in Gefahrenmomenten hervorrufen und deutlich machen, dass Verbindungen zwischen Familienmitgliedern bestehen, die weit über das hinausgehen, was mittels Vererbungslehre oder Elternliebe erklärbar wäre. Diese Verbindungen sind in der Innenwelt schlicht ein Faktum und gängig rückkoppelt man die Erfahrungen des Klienten mit den Erfahrungen, die die Eltern in ihrer Kindheit gemacht haben. 32 Dabei erlebt man teils symbolische Szenen, teils
jedoch auch biographische Szenen aus der Kindheit der Eltern (oder der Urgroßeltern), deren Wahrheitsgehalt frappierend sein kann. Auch das Eintauchen in Erfahrungen vor der eigenen Geburt, vor der eigenen Befruchtung, vor diesem Leben ist im Zuge synergetischer Innenweltreisen nicht ungewöhnlich und mitunter unumgänglich, wenn das aktuelle Thema der Session auf solche Beziehungen hinführt.
Von den gängigen Thesen bietet sich SHELDRAKES Theorie der morphischen Felder gerade deswegen an, weil sie unscharf und offen formuliert ist (was ihr mitunter von Kritikern vorgeworfen wird). 'Morphische Resonanz' – also der Prozess, durch den Vergangenheit innerhalb eines morphischen Felds zur Gegenwart wird – findet gängig in jeder Innenweltreise statt, wenn wir nach themenspezifischen Fraktalen im Leben des Klienten und seiner Verwandten suchen. Entscheidend ist dabei nicht, auf was wir diese wechselseitigen Beziehungen zurückführen, sondern dass wir sie – wo es nötig ist – erlösen! Tief angesetzt in der Kindheit der Mutter oder der Oma kann die Transformationsarbeit sehr wirkungsmächtig sein, so dass anschließend alle selbstähnlichen Konstellationen und Szenen, die vordem im Leben des Klienten aufgedeckt wurden, scheinbar von selbst und ohne weiteres Zutun "kippen" und sich selbstorganisatorisch optimieren. Und erstaunlich sind immer wieder die morphischen Effekte, die im Außen infolge von Innenweltreisen auftreten können: Schulden lösen sich nach einer gründlichen Session in Nichts auf, weil die Gläubigerbank Insolvenz anmeldet; Papas rufen nach Jahren überraschend an und wünschen sich wieder Nähe zu ihrem Kind (das am Vortag eine Sitzung zu diesem Thema gemacht hat) – Zufälle, die mittels synergetischer Innenweltreisen "programmierbar" zu sein scheinen.
Die Kapitel Pastlifes und Innere Mama/Innerer Papa im Ausbildungsmaterial "Synergetik Basic 3/4" greifen die Thematik der morphischen Felder erneut auf und vertiefen sie.
31 Vgl. BRÖCKERS, Mathias: Hat die Natur ein Gedächtnis? In: TAZ Nr. 3116 (26.05.1990).32 Vgl. dazu auch STACHOWIAK, Marina: Psychobionik. Integrales Heilen auf dem Weg in ein neues Bewusstsein. Ahlerstedt 2008, S. 81-85.