11. Transformation durch Rituale
11.1 Farbe einlaufen lassen
Die Technik des Farbe-einlaufen-lassen ersetzt keine umfassende,
auf Rückkopplung und Prozessarbeit basierte, Transformationsarbeit, da
sie gewissermaßen nur "oberflächlich" Schattenanteile bearbeitet.
Sie ist jedoch gut geeignet, um mit wenig Aufwand, Veränderungen von Schattenanteilen
zu erzeugen, was aus unterschiedlichen Gründen sinnvoll sein kann. Etwa,
wenn gegen Ende einer Sitzung noch festsitzende, unkooperierende Schattenanteile
auftauchen oder wenn sich die Problematik des Klienten tief im Familienfeld
verzweigt und sich immer und immer wieder selbstähnlich in der Kindheit
der Mama, der Oma, der Uroma, der Ururoma etc. manifestiert. Tief im Familienfeld
angesetzt, kann sie die anschließende Transformationsarbeit von Faktoren
in der Kindheit des Klienten deutlich erleichtern. Auch für Demo- oder
Probesitzungen stellt sie ein probates Mittel dar, um dem im Umgang mit seiner
Innenwelt noch unerfahrenen Neu-Klienten einen Gefühl von Machbarkeit und
damit Handlungskompetenz zu vermitteln.
Der Klient wird angeregt, den inneren Anteil von sich, zu dem er keinen Zugang hat (also Mama, Papa, Bruder, Oma, Freund usw.), danach zu befragen, welche Qualität er benötigt, um dies oder jenes zu tun, zu sein etc. Hierbei ist es bei Klienten, die noch über wenig Erfahrung im Umgang mit ihrer Innenwelt verfügen mittels Y-Fragen (vgl. Basishandwerkszeug) zu unterstützen ("Frag ihn mal, ob er Mut braucht oder Hoffnung oder Kraft" o. ä.).
Wenn der innere Anteil geantwortet hat, dass er etwa "Mut" benötigt, wird der Klient dazu angehalten, sich zu erkundigen: "Wenn Mut eine Farbe wäre, welche Farbe ist es?" (Hinweis: Nie den Klienten direkt fragen; der Klient soll es sich immer vom inneren Gegenüber mitteilen lassen.) – Beispielsweise: blau.
Der Begleiter informiert den Klienten: Du weißt, blau ist unendlich im Universum vorhanden – öffne Dein Scheitelchakra (ggf. muss man dem Klienten erklären, was und wo das ist) und lasse die blaue Farbe in Dich einlaufen und zwar so lange, bis die Farbe ganz Dich erfüllt und von selbst aufhört zu fließen – dann sage mir Bescheid. (Hintergrundmusik: "Tranzendenz Yin" (CD "Weiblichkeit")).
Als Zwischenschritt kann der Klient angehalten werden, zu beschreiben, was er wahrnimmt bzw. wo die Farbe hinein läuft – sollte die Farbe etwa nur bis zum Solarplexus aufsteigen, ist dies ein Hinweis auf eine mögliche Blockade in diesem Bereich.
Schließlich wird der Klient dazu aufgefordert, die Farbe erneut und durch sich hindurch zum Gegenüber fließen zu lassen und zu beobachten, wie sich eine Verbindung herstellt (Hinweis: Es sollte hier hierbei nichts vorgegeben werden, damit sich die Art und Weise der Verbindung und der Energieübertragung alleine (selbstorganisatorisch) bilden kann, denn es ist ein Unterschied, ob die Farbe über die Hände fließt oder beispielsweise ob die Herzen sich öffnen.) – Auch hier wird der Klient dazu angeregt, die Farbe so lange fließen zu lassen, bis sie von selbst aufhört (Hintergrundmusik wie oben)
Das Ritual kann mehrere Minuten in Anspruch nehmen und stellt sich stets ganz
individuell dar. Je nach Handlungskompetenz bzw. Wahrnehmungsgewohnheiten des
Klienten kann es auch vorkommen, dass er die Farbe bei sich selbst "nur"
als ein zunehmendes Kribbeln im eigenen Körper wahrnimmt und sich die Farbe
erst beim Hinüberfließen zum Gegenüber als eigentliche Farbe
darstellt. Wichtig ist es nun, die sich einstellenden Veränderungen wahrzunehmen.
Dies kann mehrere Minuten in Anspruch nehmen und stellt einen wichtigen Schritt
in der Transformationsarbeit dar. Anschließend bzw. im weiteren Sitzungsverlauf
kann der veränderte innere Anteil mit anderen Faktoren, Situationen, Figuren
etc. rückgekoppelt werden.
11. 2 Mauersprengen
Der Klient wird aufgefordert, seinen Widerstand als Mauer zu visualisieren,
ggf. tritt auch eine Mauer im Verlauf einer Sitzung von allein auf und repräsentiert
sein Verhältnis zur Thematik in seinem Leben. Diese Mauer stellt sein "eingemauert
sein", seine Blockaden, Hindernisse, Abgrenzungen dar.
Der Klient wird anschließend dazu angeregt, die Mauer genau wahrzunehmen, sie zu beschreiben: aus welchem Material sie ist, wie hoch sie ist, wie fest, ob diese Mauer von links nach rechts oder um ihn herum geschlossen ist. Er kann sie auch mit seinen Händen berühren, um Kontakt aufzunehmen und Eigenschaften, wie etwa Festigkeit, Fugen ganzheitlich zu erfahren.
All diese Hinweise sind symbolischer Ausdruck von dem Kontakt, der gerade zur Bearbeitung ansteht. Dem Klienten wird mitgeteilt, dass es eine sehr kraftvolle Methode gibt, sich von diesen Begrenzungen zu befreien, mit dem gleichzeitigen Effekt, auch Schutz zu verlieren, denn Mauern symbolisieren im negativen Aspekt Einengung und im positiven Aspekt Geborgenheit und Sicherheit. Der Begleiter weist den Klienten darauf hin, dass er diese Mauern sprengen kann.
Gibt der Klient seine Zustimmung, kann beispielsweise die innere Kreativität des Klienten als Anteil – als innerer Helfer – aufgerufen werden. Sie wird aufgefordert, Sprengladungen an der Mauer zu verteilen, wie es für diesen Vorgang optimal ist. Ist der Klient ängstlich, kann er auch einen Spezialisten kommen lassen (etwa einen Schweizer Tunnelbauer als Sprengmeister). Es geht immer nach dem Klienten, er sollte nie zu etwas überredet werden. Ggf. lässt sich auch der Freiheitsdrang des Klienten als Gestalt aufrufen, der dann gebeten wird, den Vorgang mit zu gestalten.
Der
Begleiter gibt so viel Zeit, bis die Sprengladung erfolgreich angebracht wurde.
Auch hierbei ist es für den Prozess und sein Ergebnis wichtig, dass der
Klient die Prozedur umfassend verfolgt, beschreibt und somit erlebt. Der Klient
wird schließlich dazu aufgefordert, den Hebel der Zündvorrichtung
persönlich zu bedienen und einen kurzen Countdown zu zählen. Auch
dies ist ein Ritual innerhalb des Sprengrituals und ermöglicht es dem Begleiter
punktgenau sehr heftige laute Sprenggeräusche einzuspielen (gute Lautsprecher
verwenden!). Der Klient wird aufgefordert, zu berichten, was er wahrnimmt. Die
neuronalen Verknüpfungen im Gehirn werden durch die akustische Unterstützung
der Sprenggeräusche neu verschaltet, so dass auf der Symbolebene eine dauerhafte
Veränderung geschieht, die der Klient als Erlebnis intensiv wahrnimmt.
Das Ergebnis ist immer sehr individuell: Von einem kleinen Loch in der Mauer, durch das er hindurch kriechen kann bis zum Einsturz der gesamten Mauer. Zumeist kann der Klient sehr spontan dahinterliegende Ereignisse, Personen oder Gefühle wahrnehmen oder sich aus seinem "Gefängnis" befreien, um die vordem verborgenen Seelenlandschaften nun zu erkunden. Diese symbolisieren mitunter längst vergessene Qualitäten, wie Weite und Fülle. Diese Qualitäten sind gut geeignet, um sie in vielen nachfolgenden inneren Situationen aufzurufen.
Hinweis: Häufig geschehen intensive Gefühlsausbrüche, die als Befreiungsakt empfunden werden. Sollte sich der Klient an dem von ihm verursachten "Trümmerfeld" stören, kann er dieses in eigener Regie kreativ "aufräumen" oder auch z. B. "Gras über die Sache wachsen lassen" (Zeitreise machen und Veränderung wahrnehmen). Bei depressiven Menschen ist das Mauersprengen als Interventionstechnik sehr empfehlenswert, da es sehr lange Umwege abkürzt und somit die Sitzung effektiver macht. Man kann diesen Vorgang auch mehrmals wiederholen, denn manchmal gibt es weitere Mauern.
11. 3 Scheibenklirren
Ist die Sinneswahrnehmung des Klienten in bestimmten Bereichen eingeschränkt (getrübt, nebelig, dunkel), kann der Begleiter dies dem Klienten wie einen symbolischen Filter erklären und ihn auffordern, diesen Filter als milchig trübe Glasscheibe zu visualisieren.
Auch hier wird wieder nachgefragt, wie hoch und wie dicht die Glasscheibe um ihn ist. Häufig wird dieses Bild als Glasglocke wahrgenommen. Auch hier muss der Klient wieder seine Einwilligung geben, diese Glasscheibe selbst zu zerstören, die dann allerdings unwiederbringlich seine Schutz- oder Filterfunktion verliert. Hat der Klient die Glasscheibe als Bild vor dem inneren Auge, gibt ihm der Begleiter den Hinweis, dass ein dicker, schwerer Vorschlaghammer neben ihm auf dem Boden liegt, den er nur in die Hand zu nehmen braucht, um sich aus eigener Kraft zu befreien. Der Klient kann angeregt werden, aktive Bewegungen direkt mit den Armen durchzuführen, ggf. auch mit dem Dhyando zu schlagen (Körper-Geist-Seele-Erfahrung), während der Begleiter Geräusche zerbrechender Scheiben einspielt.
Diese Befreiungsarbeit kann einige Zeit in Anspruch nehmen, wobei der Begleiter auf die Reaktionen des Klienten achtet und nachfragt, ob noch Glas vorhanden ist bzw. ob er noch weitermachen möchte. Es konnte beobachtet werden, dass bei diesen Befreiungsprozessen sich noch nie jemand selbst verletzt hat.
Manche
Klienten sehen eine Glaswand aus Glasbausteinen und sie müssen mit hohem
persönlichen Einsatz sich bemühen, ein Loch frei zu schlagen, während
bei anderen das gesamte Glasgebäude nur durch einen kräftigen Schlag
in sich zusammenbricht. Dies ist abhängig davon, wie tief der verborgene
Anteil verdrängt worden ist, bzw. wie bereit das Unbewusste ist, die schützende
Funktion der Verdrängung aufzugeben, um diesen Anteil der Seele zu offenbaren,
was unweigerlich dann eine Auseinandersetzung mit den seinerzeit erlebten Geschehnissen
nach sich zieht.
Hinter der Glaswand auftauchende Qualitäten oder Seelenlandschaften sind wie oben dargestellt zu erkunden und stehen dem Bewusstsein wieder zur Verfügung. Wenn der Klient es wünscht, kann er auch hier wieder Aufräumarbeiten durchführen oder er freut sich nur, dass in seinem Glashaus endlich eine Tür oder ein Durchgang existiert.
Es darf nicht das Ziel des Begleiters sein, darauf zu drängen, das Glashaus vollständig zu zerstören, denn das Ergebnis, welches der Weisheit des Unbewussten entstammt, ist für den jetzigen Moment immer optimal.
Auch bei dieser Interventionstechnik wird durch die intensive
akustische Unterstützung auf neuronaler Ebene das bestehende System wirkender
Attraktoren (vgl. Basic 1/4, Kap. 5.2) ausgehebelt. Dem Unbewussten wird so
die Gelegenheit gegeben, selbstorganisatorisch neue Konstellationen zu kreieren.
11. 4 Verabschiedungen
Verabschiedungen können sich während einer Innenweltreise ganz unterschiedlich gestalten und manifestieren sich zuweilen autonom als Vollzug eines selbstorganisatorischen Prozesses (vgl. Kap. 3.1). Verabschiedungen sind sehr wirkungsvolle Transformationsvorgänge, da das bisherige negative innere Bild, bzw. der bisherige Attraktor des Klienten in Bezug auf das jeweilige Thema, durch sein völliges Verschwinden deaktiviert wird. Der Innenwelt wird damit Gelegenheit gegeben, sich zu einem anderen Attraktor auszurichten (vgl. Basic 3/4, Urbilder), was sich auf der Bildebene qualitativ ausdrückt in schöneren symbolischen und biographischen Bildern, hilfsbereiten, verständnisvollen und liebesfähigen Familienmitgliedern, Partnern etc.
Es
gibt unterschiedliche Möglichkeiten, dies zu erreichen. Als wirkungsvoll
hat sich das Zerschlagen des Bildes mittels eines Schlagstocks (Dhyando) erwiesen.
Diese ganzheitliche – Körper, Geist und Seele einbeziehende –
Transformationstechnik ist häufig die schnellste Weise, verstockte, lieblose,
uneinsichtige oder gewalttätige Innenweltbilder zu zerstören und damit
zu deaktivieren (vgl. Basic 1/4, Kap. 6.2).
Häufig bleibt ein kleiner Rest zurück, der im Interesse einer vollständigen Transformationsarbeit weiter bearbeit werden muss. Die Reste können verbrannt (Geräusch von der CD einspielen!), in Salzsäure gegeben oder beerdigt werden. Häufig weiß es die Innenwelt des Klienten von allein, auf welche Art und Weise dies zu erledigen ist. Auch hier ist es für den Klienten wichtig, diesen selbstorganisatorischen Prozess genau zu beobachten und sehr genau wahrzunehmen, wie der Rest des inneren Anteils etwa zu Asche wird und schließlich im Wind verweht.
Hat der Klient ein geliebtes Familienmitglied verloren und dies noch nicht verwunden – in frühen Jahren den Vater oder die Mutter oder später das eigene Kind –, verlaufen Verabschiedungen anders. Hier ist es zunächst nötig, die Situation des Verlustes abermals zu erleben (und zu erleiden), um eine bewusste Verbindung mit diesem Erlebnis herzustellen. Häufig gab es in der biographischen Situation keine Gelegenheit für eine angemessene Verabschiedung, was nun nachgeholt werden kann und den ersten Schritt der Transformation darstellt, da es sich dabei bereits um eine Rückkopplung handelt. Der Klient erlebt diesen Moment in der Regel intensiv auf körperlicher, geistiger und seelischer Ebene. Da in der Innenwelt nicht die Natur- und Logikgesetze der Außenwelt existieren, ist es ohne weiteres möglich, dass Verstorbene infolge von Rückkopplungen schließlich wieder sprechen, ihr frühes Ableben dem Klienten erläutern, sich aus dem Sarg erheben, auf einer Wolke den Klienten begleiten und auch generell nun in der Innenwelt des Klienten einen festen Platz einnehmen und für ihn da sind. Diese Herstellung einer inneren Verbindung zu ehedem verlorenen, engsten Familienangehörigen ist eminent wichtig für das Seelenleben des Klienten und bildet etwa bei einem frühen Vaterverlust die Basis für ein Gefühl von Selbstvertrauen und damit Handlungskompetenz. Ein Gefühl, das Menschen ohne diese Verlusterfahrung selbstverständlich erscheinen mag, das jedoch für den Klienten mit dieser Erfahrung eine völlig neue Dimension in seinem Leben darstellt und starken Einfluss hat auf sein Verhalten im Außen.