10. Symbolbilder und biographische Bilder

Der Begriff 'Symbol' stammt aus dem Griechischen und bezeichnet etwas Zusammengefügtes. Es ist ein Sinnbild, ein Bedeutungsträger, der sich auf eine Vorstellung bezieht. In der Innenwelt ist es die Vorstellung des Unbewussten, mit dem wir während einer Innenweltreise in Kontakt und in Kommunikation treten. 34) Symbolbilder sind alle Bilder, die nicht biographischen Ursprungs sind. Biographische Bilder sind etwa Papa, Mama, Bruder, das Kinderzimmer, das Wohnhaus etc. Biographische Bilder können symbolisch eingefärbt bzw. verzerrt sein, etwa der Papa, der als abgerissene Gestalt in Lumpen und langen grauen verfilzten Haaren auftritt etc. Der Übergang von biographischen zu symbolischen Bildern kann fließend sein. Davon zu unterscheiden sind die Urbilder, auf die in Basic 3/4 eingegangen wird.


10.1 Autonome Qualität innerer Bilder

Menschen, die noch keine Erfahrung mit ihrer Innenwelt gemacht haben, ist es im allgemeinen nicht bewusst, dass die "Software" ihres Gehirns (ihre Innenwelt) von inneren Bildern – Figuren, Orten und Situationen – bestimmt wird. Diese Bilder verfügen mitunter über einen ausgesprochen autonomen Charakter und können das Verhalten des Menschen in der Außenwelt beeinflussen (vgl. Kap. 2, Musterhandeln). Ein Drittel unseres Lebens verbringen wir im Schlaf und einen wesentlichen Teil davon wiederum im Traumzustand. Das wir hier die inneren Bilder jedoch in aller Regel nicht bewusst erleben, führt dazu, dass wir diese innere Welt beim Aufwachen häufig lapidar abtun als Quatsch, von dem wir heute wieder geträumt haben.

Die autonome Qualität drückt sich während einer Innenweltreise zunächst darin aus, dass die Bilder unmittelbar aus dem Unbewussten aufsteigen und sich spontan präsentieren – und eben nicht vom Verstand kreiert werden. Dies betrifft nicht allein ihre Gestalt, sondern auch ihr Handeln. Mitunter ist etwa das Verhalten des inneren Papas ganz anders, als man es sich wünscht bzw. als es sich das Wachbewusstsein wünscht. Wir erkennen daran, dass wir mehr sind, als das gewohnte Wachbewusstsein und begegnen unserem Schatten – von dem wir bisher nicht (kognitiv) wussten.

Als Begleiter erkennen wir an der Überraschung des Klienten angesichts des autonomen Verhaltens innerer Anteile, dass wir gerade mit "authentischem Material" arbeiten und dass uns nicht die mitunter sehr rührige Vorstellungskraft seines Verstandes etwas vorgaukelt und uns damit vom Schattenbereich wegführt.

Dies bezieht sich auch auf Transformationsvorgänge, die sich infolge von Rückkopplungen selbstorganisatorisch als emergente Geschehensprozesse (vgl. Basic 1/4, Kap. 2.1, 5.2) gestalten und die damit ebenfalls eine autonome Qualität besitzen (müssen), damit sie tiefgreifende Veränderungen im Innen und Außen hervorbringen können. Auch hier vermittelt uns die Überraschung des Klienten aufgrund des ungewohnten Erscheinens und Verhaltens der vordem im Schatten liegenden Persönlichkeitsanteile die Tiefe und Authentizität der vollbrachten Arbeit in der Innenwelt.

Die autonome Qualität drückt sich während einer Innenweltreise zunächst darin aus, dass die Bilder unmittelbar aus dem Unbewussten aufsteigen und sich spontan präsentieren – und eben nicht vom Verstand kreiert werden. Dies betrifft nicht allein ihre Gestalt, sondern auch ihr Handeln. Mitunter ist etwa das Verhalten des inneren Papas ganz anders, als man es sich wünscht bzw. als es sich das Wachbewusstsein wünscht. Wir erkennen daran, dass wir mehr sind, als das gewohnte Wachbewusstsein und begegnen unserem Schatten – von dem wir bisher nicht (kognitiv) wussten.

Als Begleiter erkennen wir an der Überraschung des Klienten angesichts des autonomen Verhaltens innerer Anteile, dass wir gerade mit "authentischem Material" arbeiten und dass uns nicht die mitunter sehr rührige Vorstellungskraft seines Verstandes etwas vorgaukelt und uns damit vom Schattenbereich wegführt.

Dies bezieht sich auch auf Transformationsvorgänge, die sich infolge von Rückkopplungen selbstorganisatorisch als emergente Geschehensprozesse (vgl. Basic 1/4, Kap. 2.1, 5.2) gestalten und die damit ebenfalls eine autonome Qualität besitzen (müssen), damit sie tiefgreifende Veränderungen im Innen und Außen hervorbringen können. Auch hier vermittelt uns die Überraschung des Klienten aufgrund des ungewohnten Erscheinens und Verhaltens der vordem im Schatten liegenden Persönlichkeitsanteile die Tiefe und Authentizität der vollbrachten Arbeit in der Innenwelt.

 

10.2 Innerer Löwe

Der Begleiter zieht ein Scheibchen (vgl. Basic 1/4, Kap. 6.2), indem er die Idee, das Bild des Löwen eingibt. Um diesen Energiebereich als Energiestruktur im Unbewussten sichtbar zu machen, wird der Klient aufgefordert, sich seinen Inneren Löwen als Symboltier vorzustellen oder aufzurufen bzw. auftauchen zu lassen und dann Rückmeldung zu geben über Größe, Körperbau, Abstand u. ä. Der Klient wird gebeten, die Konfrontation mit dem Löwen dadurch zu erhöhen, dass er ihn anspricht, ihm Fragen stellt, wie „wie geht 74 es dir, was brauchst du? “ Interessant ist auch, wahrzunehmen, in welchem Kontext dieser Löwe steht, ob er etwa eingesperrt ist oder im Dschungel lebt – oder ob er sich lediglich als zahmer, vertrottelter Plüschlöwe darstellt.

Der Begleiter kann dem Klienten erklären, dass der Löwe einen Teil seiner inneren Fähigkeiten symbolisiert. Er kann dem Klienten nahelegen, sich intensiver mit dem Löwen zu beschäftigen, um zu lernen, mit Klarheit, Aggression, Durchsetzungsvermögen, Power und Wildheit umzugehen. Die Auseinandersetzung kann eingeleitet werden durch die Aufforderung, näher auf ihn zuzugehen, ihn anzuschauen (wichtig), ihn auch zu streicheln, anzufassen. Der Klient soll dem Löwen erlauben, spontane Äußerungen zu machen, so dass eine Kommunikation entsteht. Das Ziel ist, diesen Löwen, also diesen Energieanteil sich zum Freund zu machen, damit er nicht autonom im Klienten existiert, sondern als sein Partner für ihn da ist.

Damit diese Konfrontation nicht auf einer oberflächlichen Phantasieebene bleibt, „macht nun der Begleiter Feuer“, indem er echtes Löwenbrüllen über CD einspielt. Häufig zeigt sich der Effekt, dass der Löwe schnell sein Aussehen und seinen Energieausdruck verändert, da die Geräusche direkt im Unbewussten echtes Material provozieren. Das „Selbstbildnis“ wird energetisch echt. Dies macht den Aspekt sichtbar, dass oft eine hohe Differenz zwischen Selbsteinschätzung und dementsprechender vorgenommener Visualisierung und innerer Energiewirklichkeit vorhanden ist. Häufig wird der Löwe durch Betätigung des Lautstärkereglers gefährlicher und dadurch die Konfrontation intensiver. Der Prozess, in dem der Klient sich dem Löwen zum Freund macht, kann sehr kreativ gestaltet werden.

Es geht immer darum, dass der Klient selbst Wege findet, sich mit dem Löwen anzufreunden und der Begleiter nur Anregungen als Hilfestellung gibt. Es geht nicht darum, eine bestimmte innere, „richtige“ Struktur zu etablieren, da dieser Anteil immer individuell ist. Es geht vielmehr darum, den Schattenanteil Gefährlichkeit („ich habe Angst vor ihm“) aufzulösen. Dies muss nicht, wie allerdings meistens möglich, direkt in einer einzigen Session erfolgen, sondern kann auch über einen Prozessverlauf von mehreren Sitzungen verteilt werden. Dabei ist es auch möglich, Vereinbarungen mit dem Löwen zu treffen und ihm zum Beispiel nicht auf einmal in die Freiheit zu entlassen, weil der Klient mit seiner inneren Energiestruktur erst umgehen lernen muss. Wesentlich ist jedoch, dass der Klient den Löwen auf keinen Fall weiterhin wegschickt oder einsperrt.

Das Ziel ist immer, dass der Klient Meister seiner inneren Energie ist und sich ggf. befreit von ihn dominierenden Energien, die er normalerweise als Projektion im Außen erlebt und dort bekämpft oder vermeidet. Sollte diese Energie dem Klienten sehr unvertraut sein, kann er mit seinem Bewusstsein auch direkt in den Löwen hineingehen und aus dessen Augen heraus schauen, um so diese Energiequalität intensiv zu spüren und kennenzulernen und dadurch wieder verstärkt in sein Bewusstsein zu holen. Der Klient kann sich dem Löwen vollkommen ausliefern, um tiefer gehende Erfahrungen zu machen oder auch sich von dem Löwen wichtige Situationen aus seinem Leben zeigen lassen bzw. sich von ihm in „sein Reich“ führen lassen, um dort sehr umfangreich diese Energiequalität kennenzulernen.

Ist der Integrationsprozess mit dem Löwe abgeschlossen, ist es meist sehr interessant für den Klienten, sofort diese neue Qualität in einer Zukunftsprojektion oder in einer alten noch abgespeicherten Situation zu testen. In diesen Situationen macht er dann die Erfahrung, wie er sich mit dem Löwen als Freund an seiner Seite vollkommen anders verhält. Der Löwe kann in der Situation gegebenenfalls brüllend eingreifen, was der Begleiter durch das Einspielen des Löwengebrülls unterstützen kann. Er kann z. B. mit dem Löwen als Freund zu seinem Chef gehen und eine Gehaltserhöhung fordern oder ihn in Zukunft immer als imaginären Begleiter bei sich haben. Das wirkt wie eine Ankerung und der Schritt, diese Energie im realen Leben umzusetzen, fällt leichter. Wenn der Löwe im Unbewussten des Klienten installiert ist, ist er immer wieder verfügbar. Der Klient hat das subjektive Gefühl „ich habe meinen Inneren Löwen immer bei mir, er stärkt mich, er beschützt mich“. Die alte neuronal abgespeicherte Energiewirklichkeit entsteht selbstorganisatorisch neu - oft mit verblüffenden Resultaten, die den Klienten in Erstaunen und Begeisterung versetzen. Dadurch wird eine grundlegende Verhaltensveränderung des Klienten in seiner Außenwelt schon im Voraus in seiner Innenwelt „trainiert“. Es wird empfohlen, den inneren Löwen in Sitzungsverläufen häufiger einzubauen, da er grundlegende und wertvolle Veränderungen schnell erzeugt.

Diese Darstellung zeigt das grundsätzliche Schema auf, wie mit inneren Tieren umgegangen werden kann, so dass es dem Begleiter überlassen bleibt, eigene Kreationen zu entwickeln, z. B. mit dem Inneren Wolf oder anderen Krafttieren zu arbeiten. (Weitere Beispiele: Adler - Freiheit, Hirsch - Gruppenverhalten, Rangfolge, Fruchtbarkeit, Stier - Männlichkeit und Potenz, Eule - Weisheit, Schlange, Bär, Pfau, Hahn, Hund, Katze, Einhorn, Pferd, Schaf, Panther, Storch etc.). Grundsätzlich sind alle in der Innenwelt auftauchenden Tiere keine Fremdenergien oder gechannelte Wesen, sondern immer eigene Energieanteile (nach C. G. JUNG Archetypen aus dem Kollektiven Unbewussten zu denen jeder Einzelne individuellen Zugang hat und die ähnliche Energiequalitäten symbolisch repräsentieren), die es gilt, aus dem Schattenbereich zu erlösen und ihre ursprüngliche Qualität dem Klienten wieder verfügbar zu machen. Man kann auch sagen, der Klient holt sich aus den Kollektivenergien bestimmte Qualitäten und transformiert sie, um diese individuellen Qualitäten für sich zu nutzen, d. h. er macht die Kollektivenergie zu seiner eigenen Energie.


10.3 Innere Instanzen und innere Helfer

In vielen Situationen kann es sehr hilfreich sein, den Klienten aufzufordern, eine innere Instanz bzw. innere Helfer aufzurufen, mitunter erscheinen sie auch von allein. Manchmal deuten sie sich zunächst nur an und lassen sich dann nach und nach entdecken, bzw. bilden sich nach und nach selbstorganisatorisch. Sie können auch vom Begleiter vorgegeben werden, wie beispielsweise:

Innere Helfer, der Bote

Innere Kreativität, der Sprengmeister, der gestaltgegebene Freiheitsdrang (vgl. Kapitel 4.2 Mauersprengen),

Gegenstände, wie etwa ein Vorschlaghammer (vgl. Kapitel 4.3 Scheibenklirren)

Comicfiguren

Innerer Heiler, innerer Arzt, Schamane

Alter weiser Mann, weise Frau, der Hellseher

mythologische Figuren, wie Merlin, Zauberer, Hexe, alle Märchensymbole, Naturgeister (Elfen, Feen, Zwerge), der Tod, der Teufel

spirituelle/religiöse Figuren, wie der Mönch, der Schutzengel, das höhere Selbst, Jesus oder Gott

Es gibt deutliche Unterschiede zwischen 'inneren Helfern' unterschiedlichster Art und 'inneren Instanzen'. Innere Instanzen sind dadurch gekennzeichnet, dass sie zwar, wie alle anderen inneren Bilder, aus dem eigenen Energiefeld kommen, aber göttliche/universelle Aspekte beinhalten. Dies drückt sich beispielsweise durch ihre vollkommen autonome und vor allem unbeeinflussbare Haltung aus. Das heißt, es befinden sich keine Egoanteile in diesen Gestalten, so dass man sie nicht formen, durch Konfrontationen transformieren oder z. B. durch "Farbe einlaufen lassen" verändern kann. Sollte dies doch geschehen, handelt es sich um Persönlichkeitsanteile wie vielleicht der innere Helfer, die Kreativität, der innere Schutz oder auch unerlöste Aspekte der eigenen Seele. Die Autonomie der inneren Instanzen zeichnet sich dadurch aus, dass sie sich nicht provozieren lassen, nur Vorschläge machen und keine Wertungen abgeben. Sie sind immer hilfsbereit, wohlwollend und verständnisvoll. Man darf sie auf die Probe stellen und auch ihre Unterstützung ablehnen, denn sie respektieren immer die individuellen Bedürfnisse und Entscheidungen des Klienten. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, innere Instanzen um Geschenke zu bitten oder konkrete Fragen an sie zu richten. Sollte eine innere Instanz "beleidigt" reagieren, hat sie sich dadurch eindeutig als Persönlichkeitsanteil selbst entlarvt. In diesem Zusammenhang ist es als "Test" anzusehen, auch einmal auf einen Engel "draufzuhauen", um zu prüfen, ob dieser beleidigt, erzürnt, transformiert etc. reagiert.

Innere Instanzen verweigern auch manchmal die Hilfeleistung, um damit die Eigenaktivität (Handlungskompetenz) der Klienten zu provozieren. Dann ist genau dieses Verhalten der inneren Instanz die im Moment optimale Form der Hilfe. Innere Instanzen sind allerdings immer bereit, mit dem Klienten in Verbindung zu bleiben und jederzeit zu erscheinen, wenn sie gerufen werden.

Eine allgemeingültige Zuordnung anhand der Erscheinungsform, welche Gestalt nun als "innere Instanz" und welche "innerer Helfer" in der Innenwelt anzusehen ist, erscheint schwierig. Wesentlich ist auch nicht die äußere Erscheinungsform, sondern die Qualität, die verkörpert wird. Diese ist im Einzelfall zu prüfen und manch strahlender Engel entpuppt sich dann – nachdem erst der Reißverschluss auf dem Rücken entdeckt und geöffnet worden ist – als unzufriedener Persönlichkeitsanteil, der auf Erlösung wartet.

34 Vgl. dazu JUNG, Carl Gustav: Über psychische Energetik und das Wesen der Träume. Zürich 1948.